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Der Monat Juni geht zu Ende. Das Monatsschild  am Kalender ist mit vielen leckeren Erdbeeren bemalt. Wie fändet ihr das, wenn wir zusammen am Freitag Erdbeermilch mixen? Alle stimmen diesem Vorschlag freudig zu und wir besprechen, was benötigt wird und wer davon etwas mitbringen möchte.

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 In den Streiflichtern wird später zu lesen sein: „Wir haben heute leckere Erdbeermilch zubereitet.“

 

Aber wieviel Bildungsarbeit steckt eigentlich in diesem so simplen Satz?

 

EIN VORMITTAG BEI DEN IGELN

Fast jedes Kind kennt Erdbeeren und weiß, wie sie aussehen. Doch heute schauen wir sie uns im Morgenkreis einmal genauer an. Was sind das für kleine gelbe Kerne ringsherum? Sehen die Blüten bei allen Erdbeeren gleich aus? Wie viele Buchstaben hat das Wort ERDBEERE … und welcher Buchstabe kommt gleich 4 x im Wort vor? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen uns…

Wir schneiden 2 verschiedene Sorten auf und stellen fest: Die eine hat ganz dunkelrotes Fruchtfleisch, die andere sieht von außen genau so rot aus, ist aber ganz schlank und innen kräftig rosa und sogar etwas gemustert. Unser Fazit: Erdbeere ist nicht gleich Erdbeere.

 

Nun wandert die Schüssel mit den köstlichen Früchten herum und alle kleinen Nasen schnüffeln (natürlich mit Abstand). „Die riechen aber gut!“ „Weißt du, es riecht gleich im ganzen Zimmer nach Erdbeeren.“ „So lecker riecht auch das Duschbad von meiner Mama.“ Jetzt macht mal die Augen zu und stellt euch was Schönes vor.

„Ich stelle mir vor, dass ich Bettwäsche habe mit Erdbeermuster drauf.“ „Nee, ich hab Paw-Patrol-Bettwäsche, aber ich glaube, die mögen auch Erdbeeren.“ „Wir waren auf dem Feld Erdbeeren ernten … da hab ich nur die Größten genommen … da war mein Körbchen schneller voll. Mama wollte kleine für den Kuchen und da brauchte sie 2 x so viele wie ich.“ „Bei Oma im Garten haben Schnecken die Erdbeeren aufgefressen, das find ich ekelig.“ „Auf dem Feld haben die ganz viel Stroh hingelegt, da kommen die Schnecken nicht so gut voran und das ist denen auch zu kratzig. Sag doch der Oma, dass sie sich Stroh kaufen soll.“

Und schon sind wir plötzlich beim Thema Schnecken. Warum mögen sie feuchtes Wetter? Warum kommen sie eher abends zum Vorschein? Wo sind die am Tag? Wo haben Nacktschnecken eigentlich ihr Haus versteckt?...usw. Die wichtigsten Fragen sind bald geklärt und es gelingt mir, den Bogen zurück zu den Erdbeeren zu spannen. An dieser Stelle habe ich auch gleich Gelegenheit für ein Gedicht:

 

                                                                            Rot und süß – mit gelb verziert,                            

                                                                            wer sie einmal hat probiert,

                                                                            dessen Mund ruft: „Oh wie fein!

                                                                            Steck noch eine Zweite rein!“

                                                                            Auch die Nase riecht und spricht:

 

                                                                                Screenshot 527

                                                                            „Etwas Bess‘res gibt es nicht!“                                                            

 

Aber wir haben ja noch was vor, also machen wir einen Plan: Erst Hände waschen, dann Erdbeeren waschen, deren Blüten entfernen, Früchte klein schneiden … Alles, was benötigt wird, haben wir schon vor dem Morgenkreis zusammengetragen: Brettchen, Schüsseln, Messer, Rührlöffel, Quirl, Kannen, Mixer ... Wir besprechen die einzelnen Handlungsschritte, dann werden die Kinder aktiv. Sie bereiten ihren Arbeitsplatz vor, treffen Absprachen, geben sich gegenseitig Tipps und sie sind vorsichtig, denn alle arbeiten mit einem Kindermesser!

 

Ihre Konzentration ist jetzt voll und ganz auf ihre Tätigkeit gerichtet. „Ich bekomme die Blüte nicht ab!“ „So geht das … guck … drehen musst du … so!“ Sie beobachten einander und versuchen geschickt, die geschnippelten Erdbeeren vom Brettchen in eine Schüssel zu geben, damit möglichst wenig daneben fällt. Aber auch für diesen Fall haben sie bereits Strategien entwickelt … entweder schnell heimlich in den Mund stecken, was runter fällt oder Eimer und Lappen organisieren.

Ich staune, wie entspannt ich dem Treiben zuschauen kann, ohne selbst etwas zu tun.

 

 Als ich den Mixer einsatzbereit mache, gibt es ungeduldige Kinder, die dicht an mich heran drängen, aber auch ein Kind, das vorsorglich schon mal alles aus der Hand gelegt hat und sich beide Ohren zuhält. Also versuche ich erstmal behutsam, die Technik zu erklären, während sich F. auf einen sicheren Beobachtungsposten im Zimmer zurückzieht und von da aus dennoch recht neugierig zuschaut. Auch die anderen Kinder sitzen natürlich nicht mehr auf den Stühlen, sondern stehen um den Tisch herum und warten, dass es weiter geht.

 Ich erkläre und zeige, wie der Mixer arbeitet. Staunend sehen die Kinder zu, wie flink sich das kleine Messerchen im Mixstab dreht und nun ist allen klar, dass beide Hände zur Sicherheit immer am Griff bleiben müssen. Reihum möchte dann jeder herausbekommen (fast unbemerkt wagt sich auch F. wieder heran), wie stark der Daumen gegen den Kippschalter drücken muss, damit der Mixer startet. Und auch hierbei ist wieder toll zu beobachten, wie sie Rücksicht nehmen und sich gegenseitig helfen. So erkennen sie z.B. selber, dass es besser ist, wenn 2 Kinder das Gefäß festhalten, während einer mixt, da sich dieses sonst ungewollt mitdreht.

 

 

 Der nächste Arbeitsschritt gelingt problemlos. Schließlich üben die Kinder täglich bei den Mahlzeiten das Ein- und Ausgießen von Flüssigkeiten. Die dickflüssige Erdbeermasse wird nun vom Mixkrug in eine große Glaskanne gefüllt. Dabei bewegt sie sich ziemlich träge vorwärts, nicht wie es die Kinder sonst z.B. vom Tee kennen. Und nun sind Geduld, eine ruhige Hand und eine gewisse Zielgenauigkeit gefragt. Denn die Hälfte einer randvollen Milchpackung darf nun langsam in den Glaskrug zu den Erdbeeren gegossen werden. Staunend sehen die Kinder, wie sich Erdbeermasse und Milch ganz langsam miteinander vermischen, ohne dass jemand rührt. „Guck mal, wie sich die Milch in die Erdbeeren drängelt.“ Und alle bemerken das sich verändernde Farbspiel. „Wieso wird das jetzt lila?“„Dass kann man noch nicht trinken, da muss noch mehr Milch dazu.“

Also nochmal Maß nehmen und mit Milch auffüllen. Mit einem Löffel wird nochmal verrührt … upps, er rutscht aus der Hand und versinkt in den Tiefen des Glaskruges. Es folgt eine heftige Diskussion, welcher der bereitliegenden Gerätschaften geeigneter wäre. Es wird Maß genommen und dann fällt die Entscheidung auf den Quirl mit langem Stiel.

 

Geschafft - vor uns steht nun ein großer Glaskrug gefüllt mit rosa Erdbeermilch.

 

 Bevor es an die Verkostung geht, wird gemeinsam aufgeräumt. Jeder hilft mit. Zwei Kinder organisieren inzwischen Trinkbecher. „Wir sind jetzt 11, aber wir brauchen noch einen Becher mehr, weil J. noch kommt … also ich hole dann … warte … also wieviele brauchen wir … 12 sind wir dann, stimmt’s?“ „Kerstin, willst du eigentlich auch was? Du hast ja auch mitgemacht.“

Etwas später waren die Kinder schon wieder in ganz andere Themen und Tätigkeiten vertieft und außer dem einen oder anderen Milchbart war nichts mehr zu ahnen von unserem kleinen Erlebnis am Vormittag.

 

 Für alle, die wissen wollen, was drin steckt, hier nochmal die Zutaten des Rezeptes:

-         Erdbeeren

-          Milch

-          Somatische Bildung (Körper, Bewegung, Gesundheit)

-          Soziale Bildung

-          Kommunikative Bildung

-          Ästhetische Bildung

-          Naturwissenschaftliche Bildung

-          Mathematische Bildung

 

(dokumentiert am 3.Juli 2021 von Kerstin)

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